Bedrucktes Papier ist noch lange nicht tot. Obwohl die Digitlisierung weltweit in rasendem Tempo voranschreitet, widersetzen sich insbesondere Visitenkarten diesem Trend standhaft. Auch die immer weiter fortschreitende Verbreitung von Smartphones hat bisher nichts daran geändert. In der Tat sind wir davon überzeugt: die konventionelle Visitenkarte aus Papier wird uns auch weiter begleiten. Vor allem natürlich im geschäftlichen Umfeld, aber auch im privaten Bereich wird die Visitenkarte auf absehbare Zeit nicht verschwinden, egal wie oft sie schon für tot und überflüssig erklärt wurde.

Digitale Visitenkarte

Verschwinden tut sie also nicht, verändern aber schon. So sind postalische Adressen heute für viele sicher nicht mehr so wichtig wie vor 20 Jahren. Aber dafür gibt es jede Menge neue Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, die ihren Platz einfordern: Websites. Blogs. Twitter, Facebook, Xing und Co. Da wirken E-Mail-Adressen fast schon altbacken.

Die Normalität des Smartphones aber (Wer hat denn bitte noch so ‘nen alten Nokia-Knochen?) schreit geradezu danach, neue Pfade zu beschreiten: All die schönen neuen Kommunikationswege führen ja durch’s Internet und das hat heute schließlich jeder in der Hand-, Hosen- oder Manteltasche. Und so bedeutet es für den Empfänger einer Visitenkarte leider Mühe, die auf dem kleinen Stück Papier abgedruckten Kontaktdaten auch (mit dem Smartphone) zu benutzen. Seien wir ehrlich: Abtippen macht keinen Spaß. Auf dem Display eines Telefons erst recht nicht. Die Idee, eine App als Alternative zur Visitenkarte zu erschaffen, ist da ja wohl naheliegend.1

So stellen Apps als Visitenkarten-Ersatz einen der fünf im Folgenden beschriebenen Wege zur digitalen Visitenkarte dar, mit denen Sie den designierten Empfängern Ihrer Kontaktdaten die Mühe des Abtippens ersparen können. Die vorgestellten Methoden bieten den Empfängern der digitalen Visitenkarte ein unterschiedliches Maß an Komfort und Souveränität und stellen darüber hinaus auch noch unterschiedliche Anforderungen an technische Fertigkeiten in ihrer Erstellung. Wer es eilig hat und dringend eine Lösung sucht, die geringe technische Fertigkeiten voraussetzt und sowohl Herausgeber als auch Empfänger der elektronischen Visitenkarte einen hohen Komfort bietet, kann gleich im Abschnitt über Services für digitale Visitenkarten weiterlesen.

Methode 1: Eine App statt Visitenkarte

Am besten wandern die Kontaktdaten also direkt von Smartphone zu Smartphone. Zudem erlaubt der Weg über eine App neben der reinen Übermittlung von Kontaktdaten gleich auch noch andere Funktionen wie das Vernetzen auf der Plattform des App-Anbieters. Das klingt erstmal nach einer hervorragenden Idee. Stutzig machen sollte hier allerdings, dass zu diesem Zweck schon sehr viele Ansätze ausprobiert wurden, sich aber keiner davon auch nur annähernd durchgesetzt hat. Im Gegenteil: Die meisten Apps verschwinden nach einiger Zeit einfach wieder, selbst wenn sie viele treue Fans hatten wie z.B. die gefeierten Kandidaten Bump oder Dropcard. Deshalb erspare ich uns hier eine Auflistung der aktuellen Wettbewerber, denn nächsten Monat wäre wahrscheinlich einer davon schon wieder verschwunden.

Die meisten Apps, die irgendwie in die Kategorie „Kontakt” passen, legen den Schwerpunkt ihrer Funktionalität weder auf die reine Weitergabe noch auf den gegenseitigen Austausch von Kontaktinformationen. Vielmehr liegt hier das Hauptaugenmerk auf der Vernetzung innerhalb der Plattform des App-Anbieters. Das gilt auch für die professionellen Netzwerk-Platformen wie Xing und LinkedIn mit ihren Apps oder für Event-Plattformen wie Bizzabo. Dies hat dann natürlich die offensichtliche Einschränkung, dass beide Seiten die App installiert haben müssen oder eben auf dieser Plattform schon Mitglied sein müssen.2

Noch eines haben die meisten Visitenkarten-Ersatz-Apps gemeinsam: Sie wollen eben die Papier-Visitenkarte komplett ersetzen und überflüssig machen. Dabei hat die olle Visitenkarte gegenüber den Apps doch noch einen großen Vorteil: Ich als Empfänger der Visitenkarte bekomme erstmal etwas in die Hand und kann dann später entscheiden, was ich damit mache. E-Mail schreiben, auf Twitter folgen oder - oh, wie altmodisch - einfach anrufen. Das lässt den Empfängern ihre Souveränität. Diese wählen den Weg der Kontaktaufnahme, den sie selbst bevorzugen.

Häufig bleibt die Kontaktaufnahme ganz aus, denn selbst eine einzelne Telefonnummer abzutippen ist ja schon lästig. Und selbst, wenn es zu einer Kontaktaufnahme gekommen ist, so ist einen ganzen Adressbuchentrag zu erstellen noch mal viel mühsamer.

App als Ersatz einer Papier-Visitenkarte
  • ultimativ modern
  • direkt von Smartphone zu Smartphone
  • App vielleicht kurzlebig
  • zwingt den Empfänger auf die gleiche App/Plattform
  • funktioniert meist nur, wenn beide Parteien anwesend sind
  • geht nur online

Wie wäre es also, die Papier-Visitenkarte nicht zu ersetzen, sondern durch eine virtuelle Erweiterung aufzumöbeln und ihr eine digitale Visitenkarte zur Seite zur stellen? Das bringt den Komfort und die Einfachheit der Nutzung der Apps (kein Abtippen!) und erhält die Vorteile der Visitenkarte.

Ganz ehrlich: Kontakt-Apps mögen für Einzelne gut funktionieren, aber einen vollwertigen Ersatz für Visitenkarten im Allgemeinen sind sie nicht. Wie bekomme ich also eine digitale Version meiner Visitenkarte zur Papier-Version?

Methode 2: Eine digitale Visitenkarte mit QR-Code

Die wohl offensichtlichste Möglichkeit, Papier- und digitale Visitenkarte zu vereinen, stellen sicher QR-Codes3 dar. In den markanten quadratischen 2D-Barkodes (siehe Beispiele im Folgenden) können die verschiedensten Daten kodiert werden, so auch Kontaktdaten. Dafür müssen Sie nur Ihre Kontaktdaten in einen QR-Code-Generator tippen und auf einen Knopf drücken, um einen QR-Code zu erhalten, der Ihren Kontaktdatensatz enthält.

QR-Code mit vCard

QR-Code mit einer vCard auf einer
Visitenkarte: Das geht nur auf der Rückseite

Ein kompletter Kontaktdatensatz in einem QR-Code sieht dann so ähnlich aus wie das hier gezeigte Beispiel. Dieser Code enthält eine vCard. Dies ist das einzige wirklich gut etablierte Format zum Austausch von Kontaktdaten und stellt sogar einen Internet-Standard dar.

Diesen QR-Code drucken Sie dann auf Ihre Papier-Visitenkarte. Fertig ist die digitale Visitenkarte.

Aber Vorsicht! Diese Methode ist sicher die einfachste aber nicht unbedingt die beste. Ihr größter Nachteil ist die Größe des QR-Codes: Je mehr Informationen Sie in einem QR-Code speichern wollen, desto mehr schwarze und weiße Punkte werden auch benötigt. Damit braucht der QR-Code auch mehr Platz auf der Papier-Visitenkarte. Wird ein komplexer QR-Code mit vielen Punkten nämlich zu klein gedruckt, können ihn QR-Code-Scanner nicht mehr entziffern. Das wäre unprofessionell oder gar peinlich und verfehlt das Ziel gänzlich. Damit ist ein QR-Code, der eine komplette vCard enthält, sehr schwer auf gefällige Art in ein Visitenkarten-Design zu integrieren. Tatsächlich muss ein solcher Code so groß gedruckt werden, das Sie diesem am besten eine ganze Seite Ihrer Visitenkarte opfern, wie hier illustriert. Und trotz dieser Größe ist es nicht mal möglich ein Foto oder Firmenlogo in der vCard unterzugringen: Dies übersteigt schlicht die Speicherkapazität von QR-Codes.

QR-Code mit einer vCard
  • relativ einfach zu machen
  • geht auch offline
  • sehr großer QR-Code
  • trotzdem kein Foto möglich
  • Kontaktdaten unveränderlich
  • undesignbar: geht nur auf die Rückseite einer Visitenkarte

Methode 3: QR-Code mit Link

QR-Code mit Link

QR-Code mit Link auf eine vCard

„Das muss doch besser gehen!“ sagt sich jetzt bestimmt der eine oder die andere. (Sonst wäre diser Artikel ja auch schon zu Ende…) Wie wäre es damit: Statt die vCard direkt in den QR-Code zu stecken, wird schnell die Datei auf den eigenen Webserver gestellt. Wer keinen eigenen Webserver hat, kann z.B. Cloud-Dienste wie Dropbox verwenden. (Für das hier gezeiget Beispiel mache ich genau das.) Dann einen QR-Code erzeugen, der nur den Link auf die vCard enthält — und nicht die Kontaktdaten selbst. Damit enhält der QR-Code dann eine viel geringere Menge an Daten und besteht entsprechend aus viel weniger schwarz-weißen Punkten. So ein QR-Code ist mitunter sogar klein genug druckbar, so dass dieser auf der Vorderseite einer Visitenkarte Platz findet. Zumindest für diejenigen, die so ein Zugeständnis an das Design ihrer Karte machen wollen.

Wie sich das aus Sicht eines Empfängers einer so aufgewerteten Visitenkarte darstellt, lässt sich leider nicht sehr gut vorhersagen, denn dies hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

  1. Welche QR-Code-Scanner-App benutzt wird. Diese fühlen sich in ihrer Benutzung sehr unterschiedlich an, wie in unseren Test von QR-Code-Scannern nachzulesen ist. Im Idealfall übergibt der QR-Code-Scanner einfach den Link an den normalen Standard-Browser.
  2. Wie der Browser mit vCard-Dateien umgeht. Am besten wäre es natürlich, wenn die Kontaktdaten gleich weiter an das präferierte Adressbuch das Smartphones gereicht würden. Was genau passiert oder dem Nutzer angeboten wird, hängt auch stark davon ab, welche Apps auf dem Gerät installiert sind.4
  3. Wie sich das Adressbuch des Smartphones verhält, wenn es die vCard bekommt. Wird der Kontaktdatensatz einfach eingefügt und muss dann wieder gesucht werden? Kann der Nutzer noch entscheiden, ob der Kontakt überhaupt ins Adressbuch soll? Kann der Nutzer die Kontaktdaten direkt verwenden, um z.B. anzurufen?
QR-Code mit Link auf eine vCard
  • Kontaktdaten veränderbar
  • deutlich kleinere QR-Codes
  • aber immer noch groß (je nach Länge des Links größer)
  • geht nur online
  • keine Kontrolle über die Interaktion
  • erfordert ein gewisses Maß an technischem Verständnis

Methode 4: QR-Code mit Link und URL Shortener

QR-Code mit verkürztem Link

QR-Code mit verkürztem Link

Das Internet wäre nicht das Internet, wenn es nicht schon einen Lösung für das ‚Problem‘ zu langer URLs (Link-Adressen) gäbe. Schließlich erlaubt Twitter ja nur 140 Zeichen pro Nachricht… Und tatsächlich gibt es nicht nur einen, sondern viele solcher Services.

Mit dem so verkürzten Link wird der QR-Code noch mal erheblich kleiner. Wird so ein QR-Code, anders als in unserem Beispiel hier, noch etwas aufgehübscht, können sich auch sehr Design-bewusste langsam damit anfreunden. Insgesamt kann man mit dieser Lösung schon ganz gut arbeiten. Der größte Schwachpunkt ist sicher, wie bei dem unverkürzten Link, die fehlende Kontrolle daüber, wie der Empfänger mit dem Kontaktdatensatz interagieren kann.

Aber natürlich gibt es auch eine Schattenseite: Inzwischen sind URL-Shortener relativ stabile Dienste, aber bei alllen gab es in der Vergangenheit schon mehr oder weniger dramatische Ausfälle. Manchmal auch öfter.

QR-Code mit verkürztem Link
  • Kontaktdaten veränderbar
  • deutlich kleinere QR-Codes
  • URL-Shortener kann auch ausfallen
  • etwas langsamer als ohne URL-Shortener
  • geht nur online
  • keine Kontrolle über die Interaktion
  • erfordert ein gewisses Maß an technischem Verständnis

Methode 5: Digitale Visitenkarten als Service — QRu.io

QR-Code von QRu.io

QR-Code von QRu.io

Ein zentrales Problem mit den Methoden 3 und 4 ist, dass nicht klar ist, was nach dem Scannen des QR-Codes passiert. Sie haben keinen Einfluss darauf, wie das Smartphone eines Empfängers Ihrer Visitenkarte mit der ausgelieferten vCard umgeht. Wie wäre es aber, wenn der Link nicht direkt auf eine vCard-Datei zeigt, sondern auf einen Service, der die Kontaktdaten so präsentiert, dass sie gut genutzt werden können? Und wie wäre es, wenn das dann auch noch gut aussähe? Das wäre deutlich benutzerfreundlicher und Sie könnten sicher sein, dass Ihre digitale Visitenkarte für jeden Empfänger zu einer positiven Erfahrung wird.

Dies war die Motivation, QRu ins Leben zu rufen, einen Service der eben genau dies bietet:

  • Eine digitale Visitenkarte, die einfach ist in der Anwendung. Für den Herausgeber der Visitenkarte sind keine großartigen technischen Kenntnisse oder Fertigkeiten vonnöten.
  • Kontaktdaten, die digital nutzbar sind — für alle Empfänger eine gleichbleibend gute Nutzungserfahrung, unabhängig von Endgerät, Betriebssystem und App.

Die Kontaktdaten der digitalen Visitenkarte werden auf unseren Servern in Deutschland gespeichert und können über einen individuellen Link abgerufen werden. Einen QR-Code, der diesen Link enthält, drucken Sie auf Ihre Papier-Visitenkarte. Oder auf Flyer, Postkarten, T-Shirts oder was Ihnen noch so einfällt. Wird der QR-Code gescannt und der Link aufgerufen, liefert unser Service eine Seite mit den Kontaktdaten aus. Diese ist auf das verwendete Gerät abgestimmt und verhält sich in etwa so wie ein Adressbucheintrag auf diesem Gerät: Mit allen Kontaktdaten kann direkt interagiert werden, d.h. es kann von hier aus direkt angerufen oder die Homepage besucht werden, es können SMSe, E-Mails oder Instant Messages geschrieben werden und selbstredend sind auch Links auf Twitter, Facebook, Xing und Co. mit dabei.

Das Ganze ziert natürlich, wie bei jedem ernstzunehmenden Adressbucheintrag, Ihr Bild. Damit bleiben Sie auch besser in Erinnerung, ohne Ihr Gesicht auf eine Visitenkarte zu drucken.

Somit bietet der Digitale-Visitenkarten-Service die einzige kontrollierte Interaktion: Auf jedem Gerät werden alle Kontaktdaten nicht nur optimal angezeigt, sondern können auch direkt genutzt werden, soweit das verwendete Gerät das eben unterstützt. Damit wird dem Empfänger sicher die angenehmste Form einer elektronischen Visitenkarten präsentiert.

Digitale Visitenkarten von QRu
  • sehr einfach zu machen
  • Kontaktdaten veränderbar
  • aktives Aussenden von Updates an Abonnenten möglich
  • volle Kontrolle der Interaktion, optimiert auf das Endgerät
  • direkt nutzbare Kontaktdaten
  • kleinste QR-Codes, beliebig viele Kontakdaten
  • geht nur online
  1. Über Apps, die Visitenkarten auslesen und digitalisieren, um einem das Abtippen zu ersparen, werde ich hier kein Wort verlieren. Das wäre noch ein ganz anderer Roman. Hier geht es darum, was jemand, der seine Kontaktdaten als Visitenkarte herausgibt, tun kann, um dem Empfänger (auch) eine digitale Version seiner Visitenkarte zu geben. Denn so hat der Empfänger es leichter, mit dem Herausgeber Kontakt aufzunehmen. Denn seien wir ehrlich: Die meisten Visitenkarten verstauben kläglich auf einem “sollte-ich-mal-einpflegen-Stapel”, weil es eben mühsam ist, den Kontakt ins Adressbuch aufzunehmen. Daran ändern Visitenkarten-Scanner auch nicht viel, aber davon vielleicht ein andermal…

  2. Oder die eine Seite muss für eine erfolgreiche Kontaktaufnahme erst einmal die App vom entsprechenden Store installieren. Oder sie muss sich bei der entsprechende Plattform registrieren. Das ist dann auch schon wieder umständlich. Wer nicht eh schon dabei ist, fängt halt mit dem Link auf’s Profil nicht sehr viel an…

  3. Ja, es gibt andere Arten von Barcodes, die genau den gleichen Zweck erfüllen können. Aber QR-Codes haben mit Abstand die größte Verbreitung. Und es gibt zahlreiche Scanner-Apps für jede Plattform und QR-Code-Generatoren gibt es auch an jeder Ecke, z.B. den vom zxing-Projekt.

  4. Bei alten Android-Geräten landet die vCard auch einfach mal auf der Speicherkarte, wo sie der Nutzer dann wieder suchen und von Hand ins Adressbuch einfügen darf. Im schlimmsten Fall kann der Nutzer einfach gar nichts machen: Safari auf alten iOS-Geräten kann nicht mit vCards umgehen. Beides keine Beispiele gelungener Nutzer-Interaktionen.