Wir alle können zuhören, aber wirklich gut zuzuhören ist eine Kunst – und die will wahrlich gelernt sein! Da aber das Netzwerkeln so sehr mit der Qualität des Zuhörens steht und fällt, wie ich letztes Mal geschrieben habe, geht es in diesem Post darum, wie man sein Zuhören verbessern kann.

Ein guter Zuhörer zu werden, ist ein langer Weg aus vielen Schritten. Daher ist die nachstehende Liste bei weitem nicht vollständig, aber es sind die fünf Dinge, die den größten Einfluss auf die Verbesserung meines Zuhörverhaltens hatten. Ich denke also, die Liste kann als guter Schnellstart dienen:

1: Curiosity Filled the Net(work)*: Die Neugier steht immer an erster Stelle …

…des Problems, das gelöst werden will, sagte Galilei; ich denke, das gilt auch für Netzwerke, die geknüpft werden wollen! Der Wunsch, mehr über meine Gesprächspartner erfahren zu wollen, war für mich ein super wertvoller Ansatz. Denn schließlich ist Wissen die Grundlage, um – sowohl im Kopf als auch in eurem Netzwerk - Knotenpunkte vernünftig zu verknüpfen. Also: seid neugierig. Ich versuche in jeder Unterhaltung Information zu sammeln. Frei nach dem Motto „Wir haben zwei Ohren und einen Mund, so dass wir zweimal so viel zuhören wie sprechen können!“ (Epiktet).

*angelehnt an das englische Sprichwort “Curiosity killed the cat”, was ungefähr vergleichbar ist mit dem deutschen Sprichwort “Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um”.

2: Versucht Verbindungen herzustellen

Die beste Basis, um Verbindungen herzustellen, sind Gemeinsamkeiten. Daher versuche ich Dinge zu finden, die ich mit der anderen Person gemeinsam habe. Und dann gilt es, eine großzügige Denkweise (siehe “Generosity Mindset”, derzeit nur in Englisch) an den Tag zu legen. Dabei ist es wichtig, dem Gegenüber immer auf Augenhöhe zu begegnen – denn es besteht die Gefahr, dass man sonst arrogant wirkt, obwohl man doch eigentlich großzügig sein möchte.

3: Baut Vertrauen auf

Um Vertrauen aufzubauen, ist es wichtig, eine sichere, also gefahrlose, Atmosphäre für das Gespräch zu erzeugen. Dies gelingt besonders gut, indem man eine Beobachterposition einnimmt, in der man jegliches Urteil vermeidet. Wenn also eine Meinung oder eine Einstellung geäußert wird, die ihr nicht versteht, dann wird euch dieser Ansatz des Beobachtens helfen, weiter zu fragen und nachzuforschen, ohne direkt vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Damit Vertrauen wachsen kann, ist es notwendig, dass sich Menschen gegenseitig akzeptieren, selbst wenn sie sich nicht immer zustimmen.

4: Aktives Zuhören

Ich übe aktives Zuhören. Und auch wenn ich das schon seit einer geraumen Zeit tue, muss ich es immer noch weiter üben, denn aktives Zuhören heißt, sich darauf zu konzentrieren, das Gesagte auf empathischer Ebene und inhaltlicher Ebene zu verstehen. Gar nicht so einfach, denn man muss wirklich seine volle Aufmerksamkeit auf die Unterhaltung lenken. Etwas, das mich ernsthaft nervt, sind Gesprächspartner, die ständig an ihrem Mobiltelefon herumnesteln. Das kennt ihr sicher auch. Dieses Verhalten gibt mir das Gefühl, nur ein Lückenbüßer zu sein, bis etwas Interessanteres daher kommt. Keine gute Basis für eine tiefschürfende oder belangreiche Unterhaltung. Deshalb habe ich im Umkehrschluss folgendes für mich zur Regel gemacht: Wenn ich mich unterhalte, checke ich währenddessen weder mein Telefon noch halte ich nach anderen Leuten Ausschau. Und falls ich doch einmal einen dringenden Anruf erwarte, dann lasse ich das meinen Gesprächspartner einfach wissen.

In der Unterhaltung bestätige ich meinem Gegenüber immer wieder, dass ich aufmerksam zuhöre, indem ich kurze Bestätigungslaute (sogenannte Interjektionen) von mir gebe: Diese „Aha“ oder „Mmh“ Laute sollten ganz beiläufig erfolgen. Je nach Kontext kann man auch mal ein „Wirklich?“ oder ein „Klingt spannend!“ einwerfen. Auch mit eurer Körpersprache zeigt ihr natürlich, dass ihr interessiert seid, z.B. schaut ihr euren Gesprächspartner sicherlich an, wendet euch ihm oder ihr zu und haltet Augenkontakt. Wenn es mir sehr wichtig ist, genau zu verstehen, was die andere Person sagt, oder wenn ich jegliche Missverständnisse ausschließen möchte, paraphrasiere ich auch durchaus das, was ich meinen Gesprächspartner habe sagen hören. Das mag euch zunächst sehr künstlich vorkommen – ihr könnt ja einfach mal probieren, explizit dazu zu sagen, dass ihr widergeben wollt, was ihr verstanden habt – es lässt sich aber mit etwas Übung erstaunlich gut in Unterhaltungen einfügen. Und die andere Person fühlt sich entweder gut verstanden, oder hat Gelegenheit, noch einmal zu erläutern, was sie meint, und fühlt sich darüber gut aufgehoben und ernst genommen.

5: Seid ernsthaft interessiert

Der für mich wertvollste Ratschlag, um besser zuhören zu lernen, war der, ernsthaft interessiert zu sein. Aber wie soll man das denn nun wieder hinkriegen? Vor allem, da Interesse vortäuschen genau den gegenteiligen Effekt von dem hat, was man eigentlich erreichen möchte: anstatt uns mit unserem Gegenüber in Kontakt zu bringen und eine Verbindung herzustellen, trennt und entfernt es uns von ihm. Das liegt daran, dass wir zu sehr mit schauspielern beschäftigt sind, um vernünftig zuzuhören, wenn wir versuchen, künstlich Interesse zu vorzugaukeln. Außerdem schneidet die andere Person auf irgendeinem unbewussten Level genau mit, dass wir nicht aufrichtig sind, und wird daher auf einer oberflächlichen (und somit ungefährlichen) Ebene der Unterhaltung bleiben.

Nun, da ich es auch nicht schaffe, einfach einen Schalter umzulegen, um interessiert zu sein, hier zwei Strategien, die ich für mich erarbeitet habe, um ernsthaftes Interesse zu entwickeln und gleichzeitig authentisch zu bleiben:

  1. Findet etwas an eurem Gesprächspartner, das ihr tatsächlich interessant findet. Manchmal funktioniert das ganz einfach über die Small-Talk-Unterhaltung, mit der ihr vorher eingestiegen seid. Nachdem ihr Visitenkarten ausgetauscht habt, fragt ihr einfach noch einmal weiterreichend nach, was es denn mit dem Job der anderen Person auf sich hat. Oder, wenn eure Gesprächspartnerin erwähnt hat, dass sie aus einer Stadt kommt, die ihr nicht kennt, hakt ihr da nach und fragt sie etwas dazu. Und ihr könnt eure Fragen da selbstverständlich ganz auf eure Interessensgebiete zuschneiden: Wenn ihr euch für Bildung interessiert (vielleicht, weil das Thema gerade für eure Kinder relevant ist), fragt ihr nach der Qualität der Schulen in der entsprechenden Stadt. Oder ihr fragt nach Geheimtipps für euren nächsten Wochenend-Ausflug, wenn einer bei euch ansteht.

    Natürlich ist das Leben nicht immer so einfach – wir sind ja nicht auf dem Ponyhof. Wenn also die bisherige Unterhaltung keine Hinweise für ein gutes Thema bietet, müsst ihr nach einem anderen Quell suchen, der eure Neugierde anregt. Wenn die Situation es erlaubt (z.B. auf einer Konferenz oder Messe etc.), frage ich andere nach ihrer Meinung im Zusammenhang mit dieser Situation. Bis jetzt hat mir das immer prima als Unterhaltungs-Ankurbler geholfen. Ihr könnt eure Gesprächspartnerin nach ihrem Eindruck zur gesamten Veranstaltung fragen, welcher Vortrag eurem Gegenüber bisher am besten gefallen hat, oder danach, welche spannenden Leute sie bisher kennengelernt haben. Passt nur auf, dass ihr auch im „Zuhör-Modus“ bleibt – und lasst euch nicht verlocken, zu sehr eure eigene Meinung zu äußern!

    Vielleicht stehen euch alle diese Möglichkeiten nicht zur Verfügung, aber ihr findet die Person einfach sympathisch und denkt, dass es toll wäre, sie in eurem Netzwerk zu haben – dann hört genau hin, um herauszufinden, was genau ihr an ihr mögt. Oder, wenn diese Person sehr selbstsicher wirkt und sehr sachkundig – versucht die Quelle ihres Wissens zu ergründen, oder ihrer Kompetenz, oder was auch immer es ist, das euch interessiert.

  2. Wenn ihr nichts finden könnt, das ihr gerne über eine Person erfahren möchtet, dann könnt ihr eure Aufmerksamkeit darauf richten, durch aufmerksames Zuhören herauszufinden, warum es euch so widerstrebt, eine Verbindung mit diesem Jemand aufzubauen.

    Diese zweite Strategie ist allerdings sehr mit Vorsicht zu genießen: man kann eine Menge Zeit an Leute verschwenden, die man eigentlich gar nicht in seinem Netzwerk haben möchte, bloß weil man ständig versucht herauszufinden, warum das so ist. Dennoch war es für mich ein hilfreicher Weg um meine Intuition zu trainieren: Wenn mein Bauchgefühl mir sagt „nicht interessant“, dann versuche ich dem nachzugehen und herauszufinden, was dieses Gefühl auslöst. Manchmal werde ich überrascht, wenn ich feststelle, dass ich in wirklich fruchtbaren Gesprächen lande, sobald ich meinen ersten Eindruck überwinde. Häufiger passiert es allerdings, dass ich genug erfahre, um meine Intuition zu bestätigen, was für mich eine sehr wertvolle Erkenntnis an sich ist.

    Dies bedeutet: Wenn ihr eure Fähigkeit aktiv Zuzuhören trainiert, erreicht ihr mit dieser zweiten Strategie, um ernsthaft interessiert zu sein, zwei Dinge: Ihr schafft euch erstens Gelegenheiten, das Zuhören zu üben und zweitens eure Intuition zu verfeinern. Sobald ihr besser darin geworden seid, zuzuhören, solltet ihr euch stärker in Richtung der ersten Strategie orientieren und eurem instinktiven Gefühl vertrauen, wen ihr und euer Bauch wirklich interessant findet.

Zum Abschluss ein Gedanke, der von einem Zitat* inspiriert ist, das ich ganz anregend finde: Es hat sich noch nie jemand aus einem Netzwerk herausgehört! Im Gegenteil: Ein Netzwerk wächst, wenn man da-zugehört!

No man ever listened himself out of a job.” Calvin Coolidge